Ein Textil-Spannrahmen ist eine der zentralen Anlagen in der Textilveredelung. Er streckt, trocknet und fixiert Gewebe auf die gewünschte Breite – oft über viele Meter Länge, mit komplexer Elektrik, Heizungssystemen, Kettenantrieben und Lüftungseinheiten. Die Demontage eines solchen Geräts ist kein einfaches Auseinanderschrauben. Sie ist ein technisches Projekt, das Planung, Sorgfalt und ein strukturiertes Vorgehen erfordert – denn was bei der Demontage versäumt wird, rächt sich spätestens beim Wiederaufbau.
Dieser Artikel beschreibt, wie Andevion AG die Demontage eines Spannrahmens professionell durchführt – Schritt für Schritt.
Phase 1: Analyse, Markierung und Funktionsprüfung
Bevor ein einziger Handgriff an der Anlage gemacht wird, steht die systematische Aufnahme des Ist-Zustands. Dieser Schritt ist der wichtigste des gesamten Projekts – und wird in der Praxis am häufigsten unterschätzt.
Fotodokumentation des Gesamtzustands
Die Anlage wird vollständig fotografiert – Übersichtsaufnahmen des gesamten Spannrahmens, Detailaufnahmen aller Antriebe, Schaltschränke, Kabeltrassen, Anschlüsse und Besonderheiten. Diese Bilder sind die wichtigste Referenz beim späteren Wiederaufbau.
Markierung aller Baugruppen und Verbindungen
Sämtliche Baugruppen, Rahmenelemente, Kettenspannvorrichtungen, Trockenfelder und Anbauten werden mit eindeutigen Positionsmarkierungen versehen. Dabei wird ein konsistentes Beschriftungssystem verwendet – zum Beispiel Felder von links nach rechts nummeriert (F01, F02, F03 …) und Seiten gekennzeichnet (AS = Antriebsseite, BS = Bedienseite).
Funktionsprüfung im Betrieb
Vor dem Abschalten wird die Anlage noch einmal im laufenden Betrieb geprüft. Ziel ist es, den tatsächlichen Zustand zu dokumentieren: Welche Antriebe laufen sauber? Gibt es Auffälligkeiten in der Kettenspannung, im Heizungssystem oder im Lüftungsbereich? Bereits vorhandene Schäden oder Verschleisserscheinungen werden schriftlich festgehalten – damit diese nicht später fälschlicherweise dem Transport oder der Demontage angelastet werden.
Massprotokoll
Breite, Länge und Höhe der Anlage sowie einzelner Baugruppen werden aufgenommen. Das ist Grundlage für Transportplanung, Verpackung und die spätere Aufstellplanung am Zielort.
Phase 2: Elektrische Demontage – Präzision vor Tempo
Die elektrische Demontage eines Spannrahmens ist die anspruchsvollste Phase des gesamten Vorhabens. Spannrahmen verfügen typischerweise über Hauptschaltschränke, dezentrale Antriebssteuerungen, Temperaturfühler, Feldbusleitungen, Heizungsregler und Not-Aus-Kreise – alles miteinander vernetzt. Ein Fehler bei der Beschriftung kann beim Wiederaufbau Stunden kosten oder zu Fehlfunktionen führen.
Abschalten und Freischalten
Die Anlage wird nach den geltenden Sicherheitsvorschriften vollständig spannungsfrei geschaltet. Der Hauptschalter wird abgesperrt und mit einem persönlichen Schloss gesichert (LOTO – Lockout/Tagout). Alle Energiequellen – Strom, Druckluft, ggf. Gas oder Dampf – werden isoliert und deren Drucklosigkeit bestätigt.
Markierung vor dem Abklemmen
Dies ist der kritischste Einzelschritt der elektrischen Demontage: Kein Kabel wird abgeklemmt, bevor es eindeutig beschriftet ist.
Jedes Kabel erhält an beiden Enden eine Beschriftung – mit Kabeltyp, Herkunft (z.B. «Schaltschrank 1 – Klemme X12») und Ziel (z.B. «Antrieb Feld 3 – AS»). Für komplexe Schaltschränke wird zusätzlich eine Fotodokumentation des Klemmbilds angefertigt, bevor auch nur eine Schraube gelöst wird.
Wo vorhanden, werden die bestehenden Schaltpläne hinzugezogen. Wo keine Unterlagen vorhanden sind, wird eine Skizze des Klemmbilds erstellt.
Abklemmen und Kabel ziehen
Erst nach vollständiger Beschriftung beginnt das Abklemmen. Die Kabel werden geordnet aus den Kabelkanälen gezogen, aufgerollt und mit derselben Beschriftung versehen wie die Klemmen.
Kabel werden nach Strängen sortiert und gebündelt – nicht durcheinandergeworfen. Empfindliche Leitungen (Sensorleitungen, Busleitungen, geschirmte Kabel) werden separat verpackt und als solche gekennzeichnet.
Steuerungskomponenten wie Frequenzumrichter, SPS-Module oder Bedieneinheiten werden – wenn sie ausgebaut werden – mit ihrer genauen Einbauposition markiert und in geeignetem Verpackungsmaterial gesichert.
Phase 3: Mechanische Demontage
Nach Abschluss der elektrischen Arbeiten beginnt die mechanische Demontage. Auch hier gilt: Erst markieren, dann lösen.
Demontageprinzip: von aussen nach innen
Die Demontage erfolgt von der Peripherie ins Zentrum – zuerst Anbauten, Verkleidungen und Abdeckungen, dann Kettenführungen und Antriebseinheiten, zuletzt die Hauptrahmenstruktur.
Verkleidungen und Abdeckbleche
Alle Verkleidungsteile werden vor dem Lösen markiert. Viele Spannrahmen haben asymmetrische oder bereichsspezifische Bleche, die nicht beliebig getauscht werden können. Jede Platte erhält eine Positionsmarkierung auf der Rückseite (z.B. «Oben links – Feld 4»).
Kettenführungen und Spannvorrichtungen
Die Kettenspannung wird vor dem Ausbau kontrolliert entlastet. Kettenführungsschienen werden in ihrer Reihenfolge markiert und abschnittsweise ausgebaut. Laufwagen, Klammern und Nadeln werden bereichsweise gesammelt und in beschrifteten Behältern aufbewahrt.
Antriebseinheiten
Motoren, Getriebe und Kupplungen werden ausgebaut und deren Einbaulage dokumentiert. Anzugsmomente von Flanschverbindungen werden festgehalten, damit beim Wiederaufbau dieselben Werte verwendet werden können.
Heizungs- und Lüftungseinheiten
Heizregister, Gebläseeinheiten und Umluftkanäle werden abschnittweise demontiert. Verbindungsleitungen (Öl, Dampf, Kondensatleitungen) werden vor dem Trennen verschlossen und gesichert.
Rahmenstruktur
Erst wenn alle Anbauteile entfernt sind, wird die Rahmenstruktur selbst in Sektionen aufgeteilt. Die Trennpunkte werden nach der vorhandenen Verschraubung oder nach transportgerechten Abmessungen gewählt. Sektionen werden nummeriert und mit Richtungsmarkierungen versehen («Einlaufseite / Auslaufseite»).
Phase 4: Verpackungsvorbereitung, Packliste und Verladen
Eine sorgfältige Demontage verliert ihren Wert, wenn Teile beim Transport beschädigt werden oder beim Auspacken Chaos herrscht. Die Verpackungsphase ist deshalb genauso strukturiert wie die Demontage selbst.
Packliste erstellen
Vor dem Verpacken wird eine vollständige Packliste erstellt. Sie enthält:
– Alle Rahmenelemente mit Positionsbezeichnung und Abmessungen
– Alle Antriebskomponenten mit Seriennummer (sofern vorhanden)
– Alle Elektrokomponenten mit Einbauort
– Alle Kleinteile, Schrauben, Verbindungselemente – geordnet nach Baugruppe
Die Packliste ist gleichzeitig die Kontrollliste beim Einladen und beim Entladen am Zielort.
Verpackung nach Transportanforderungen
Grossteile (Rahmenelemente, Heizregister, Kanalabschnitte) werden auf Paletten befestigt oder in Gitterboxen gesichert. Scharfe Kanten werden abgedeckt, empfindliche Oberflächen mit Folie oder Schaumstoff geschützt.
Elektrokomponenten, Sensoren und Steuerungseinheiten werden in stoss- und feuchtigkeitsgeschützter Verpackung transportiert – getrennt von Metallteilen.
Kleinteile werden nach Baugruppen getrennt in beschrifteten Kleinverpackungen oder Beuteln gesammelt und dann in einer gemeinsamen Kiste pro Bereich zusammengefasst. Jede Kiste trägt aussen eine Übersicht ihres Inhalts.
Verladen
Das Verladen erfolgt in umgekehrter Demontagereihenfolge: Was zuerst benötigt wird, kommt zuletzt auf den LKW. Schwere Teile kommen nach unten, empfindliche Komponenten werden oben oder separat transportiert.
Vor Abfahrt wird die Packliste gegen den tatsächlichen Ladeinhalt abgeglichen. Erst wenn alles vollständig und gesichert ist, wird der Transport freigegeben.
Fazit: Strukturierte Demontage ist die halbe Montage
Eine sauber durchgeführte Demontage spart beim Wiederaufbau erheblich Zeit und verhindert Fehler. Wer bei der Beschriftung penibel ist, wer Fotos macht bevor er löst, und wer die Packliste als verbindliches Dokument behandelt, schafft die Grundlage für einen reibungslosen Wiederaufbau – unabhängig davon, ob dieser in zwei Wochen oder in drei Monaten stattfindet.
Andevion AG führt Demontagen von Textilmaschinen und Industrieanlagen strukturiert, dokumentiert und termingerecht durch – in der Schweiz und auf Anfrage auch international.
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